Die künftige Entwicklung der Deutschen Bank

Frankfurt - In den letzten Monaten musste die Deutsche Bank einige Rückschläge erleben. Und auch jetzt findet das Unternehmen keine Ruhe. Die Sparkurse schränken das Bankgeschäft ein und auch strittige Immobiliengeschäfte in den USA, die bereits lange in der Vergangenheit liegen, machen der Deutschen Bank zu schaffen.

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Bild: Mann wird von Regenschirm geschützt Bild: ©alphaspirit/fotolia.com / Text: dpa-AFX

Warum könnte ein teilweiser Rückzug in den USA bevorstehen?

Dieser könnte eine Einigung mit dem US-Justizministerium auf eine geringere Strafe für die Verfehlungen der Vergangenheit erleichtern. Derzeit verhandelt die Deutsche Bank über einen Vergleich, damit sind in der Regel auch Änderungen des Geschäftsmodells verbunden. Üblicherweise sinkt auch die Summe im Zuge der Verhandlungen.

Welche Bedeutung hat das US-Geschäft für die Deutsche Bank?

Der Ehrgeiz der Frankfurter war groß, als sie 1999 die US-Bank Bankers Trust übernahmen. Die Deutsche Bank stieg in den folgenden Jahren zu einer globalen Größe im Kapitalmarktgeschäft auf. Das Investmentbanking ließ die Gewinne bis zur Finanzkrise in ungeahnte Höhen schießen. Doch das war teuer erkauft, wie die juristischen Auseinandersetzungen zeigen. In den vergangenen Jahren kosteten Strafen Deutschlands größtes Geldhaus mehr als zwölf Milliarden Euro - etwa wegen der Beteiligung an Zinsmanipulationen (Libor), umstrittener Hypothekengeschäfte und Verstößen gegen Handelssanktionen. Das US-Geschäft ist allerdings immer noch eine Säule für die Deutsche Bank, rund ein Zehntel ihrer rund 100 000 Mitarbeiter sind dort beschäftigt.

Wie schlimm wäre ein (Teil-) Rückzug aus den USA?

"Wir können es uns als eine führende europäische Bank nicht leisten, nicht auf dem größten Kapitalmarkt der Welt vertreten zu sein", sagte Vorstandschef John Cryan vor knapp einem Jahr. Allerdings hat das US-Geschäft für europäische Großbanken in den vergangenen Jahren deutlich an Attraktivität verloren. Das liegt nicht nur an den hohen Strafen, sondern auch an den immer strengeren Kapitalregeln. So müssen Auslandsbanken inzwischen bei ihren US-Töchtern selbst Kapital und Liquidität vorhalten. Es reicht nicht mehr, wenn die im Ausland sitzende Konzernmutter genügend Kapital nachweist. Das macht das US-Geschäft teuer. Angesichts des Kostendrucks könnte ein von der US-Justiz verlangter Teilrückzug durchaus im Sinn der Deutschen Bank sein. Im Konzern gilt schon seit einigen Jahren das Credo, nicht mehr alles überall anbieten zu müssen.

Droht nun der Abstieg aus der Weltliga?

Beim Börsenwert ist die Deutsche Bank anders als bei der Bilanzsumme schon seit langem weit abgeschlagen hinter der Konkurrenz aus den USA. Selbst in Europa liegt sie nach dem Kurssturz in diesem Jahr nicht mehr unter den Top 20. Die Frage ist freilich, ob es überhaupt noch eine Weltliga gibt und ob es sich lohnt, dort mitzuspielen. Die Deutsche Bank hat bereits beschlossen, zehn Länder zu verlassen. Ein vollständiger Rückzug aus den USA ist aber sicher unwahrscheinlich und wäre ein Schlag für die gesamte deutsche Wirtschaft. Viele Großkonzerne wünschen sich eine europäische Bank auf Augenhöhe mit den US-Instituten, die ihnen bei ihren internationalen Geschäften hilft.

Droht eine weitere Sparrunde?

Nach einem herben Gewinneinbruch im zweiten Quartal hatte Bankchef Cryan bereits eine härtere Gangart bei dem radikalen Umbau des Instituts angedeutet. "Ich möchte hier nichts beschönigen: Sollte es bei diesem schwachen wirtschaftlichen Umfeld bleiben, müssen wir bei unserem Umbau noch ehrgeiziger werden als wir es ohnehin schon sind", sagte der Brite im Sommer. Einen generellen Einstellungsstopp hat das Institut bereits verhängt. Bis auf Weiteres dürfen keine Beschäftigten von außerhalb angeworben werden. Bisher will das Institut weltweit bis 2018 unter dem Strich 9000 Arbeitsplätze abbauen, davon allein 4000 in Deutschland. Bundesweit sollen 188 Filialen geschlossen werden.

Braucht die Deutsche Bank eine Kapitalspritze?

Immer wieder machen Spekulationen die Runde, das Institut könnte angesichts der drohenden Milliardenstrafen in den USA frisches Geld vom Markt brauchen. Die Sorge: Selbst wenn die Strafe deutlich niedriger ausfällt, könnte die Summe die Rückstellungen des Geldhauses für Rechtsstreitigkeiten von zuletzt rund 5,5 Milliarden Euro übertreffen. Bankchef Cryan trat entsprechenden Befürchtungen zuletzt entgegen. Weder Rettungsmilliarden vom Staat noch frisches Geld vom Markt seien derzeit nötig, verkündete er Ende September. Doch reißen die Gerüchte nicht ab. So wird unter anderem darüber spekuliert, dass andere deutsche Großkonzerne die Deutsche Bank mit Kapitalspritzen stützen könnten. Auch eine Erhöhung des Engagements der katarischen Großaktionäre soll im Bereich des Möglichen liegen.

Wären bei einer Einigung in den USA alle großen Probleme vom Tisch?

Nein, teure Strafen könnten dem deutschen Branchenprimus auch wegen des Verdachts auf Sanktionsverstöße und Geldwäsche bei Geschäften in Russland drohen. Hinzu kommen die Probleme im Tagesgeschäft wie der stockende Verkauf der Postbank, die geringe Effizienz und der Druck durch die Niedrigzinsen.

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