Deutschland zapft strategische Ölreserve an
- 1 | IEA gleicht Förderausfälle aus Libyen aus
- 2 | Entlastung von Verbrauchern und Unternehmen?
- IEA: Gas wird immer wichtiger für Energiegewinnung
- IEA: Energiebedarf wird weltweit um 36 Prozent steigen
- EU: Ölversorgung ist trotz Unruhen in Libyen nicht gefährdet
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Berlin/Paris/Washington - Erstmals seit 2005 zapft Deutschland wieder seine strategische Ölreserve an, dies geschieht im Rahmen einer international abgestimmten Aktion der IEA. Berlin gibt insgesamt 4,2 Millionen Barrel beziehungsweise rund 570.000 Tonnen Rohöl oder Ölprodukte seiner Vorräte für den Markt frei. Dies bestätigte das Bundeswirtschaftsministerium am Donnerstag in Berlin.
Im Sinne der internationalen Solidarität beteilige sich Deutschland an der koordinierten Maßnahme der Internationalen Energie-Agentur (IEA), hieß es.
Die IEA hatte angekündigt, für einen Zeitraum von 30 Tagen rund 60 Millionen Barrel (je 159 Liter) Rohöl auf den Markt zu werfen, um damit die Förderausfälle aus dem kriegsgebeutelten Libyen auszugleichen. Deutschland beteiligt sich daran nach einem festgelegten Schlüssel.
Zuletzt hatte Deutschland im September 2005 seine strategischen Reserven angezapft. Auslöser waren damals die Preisexplosion an den Ölmärkten und die enormen Verwüstungen in den USA nach dem Hurrikan "Katrina".
Die jetzt freigegebene Menge ist nur ein Bruchteil der deutschen Notreserven, die 25 Millionen Tonnen Rohöl und Erdölfertigprodukte umfassen und per Gesetz für 90 Tage reichen müssen.
Die Details zur freigegebenen Menge sind noch offen. 2005 waren die deutschen Mengen vom Erdölbevorratungsverband (EBV) ausgeschrieben und zu aktuellen Preisen meistbietend verkauft worden.
Produktionsausfälle in Libyen
Die IEA teilte mit, die Auswirkungen der libyschen Produktionsausfälle auf den Ölmarkt seien größer geworden. Dies könne die zerbrechliche Erholung der Weltwirtschaft gefährden. Durch den Bürgerkrieg in Libyen seien bis Ende Mai 132 Millionen Fass Öl ausgefallen. Die Mitgliedstaaten wollten nun aus ihren Reserven 30 Tage lang täglich zwei Millionen Barrel verkaufen, erklärte die IEA.
Der normale saisonale Anstieg des Raffineriebedarfs werde die Situation verschärfen. Es werde auch erwartet, dass Libyen das gesamte Jahr ausfalle, auch wenn es große Unsicherheiten über die Prognosen gebe. Die IEA habe vor dem Beschluss mit den größten Förderländern und wichtigen Nicht-IEA-Importländern gesprochen. Die IEA begrüße auch, dass die großen Ölförderländer ihre Produktion erhöhen wollten. Dies werde allerdings noch etwas Zeit benötigen.
Die gesamten Öl-Reserven der IEA-Mitgliedsstaaten umfassen den Angaben zufolge 4,1 Milliarden Fass, und fast 1,6 Milliarden davon befinden sich in der Notfall-Reserve. Die Mitglieder haben die Verpflichtung, 90 Tage ihrer Importe als Reserve zu halten, haben aber derzeit sogar 146 Tage. Die IEA wurde nach der Ölkrise 1973/74 gegründet, als Lieferungen aus dem Nahen Osten auszubleiben drohten.
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