Deutschland und Algerien wollen Kooperation im Gas-Geschäft ausbauen
Deutschland verdoppelte 2005 nahezu seine Einfuhren aus Algerien auf 1,6 Milliarden Euro. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um Gas- und Ölimporte. In dem Maghreb-Land sind mehr als 100 deutsche Firmen aktiv. Algeriens Energieminister Khelil versicherte das Interesse seines Landes an deutscher Technologie gerade in der Produktion von Flüssigerdgas, das mit Schiffen transportiert wird. Es gebe bereits viele deutsche Firmen, die sich an Ausschreibungen beteiligten. "Wir wünschen, dass deutsche Gesellschaften noch mehr Verträge gewinnen." In Deutschland ist in Wilhelmshaven ein großer Flüssigerdgas-Terminal geplant, der 2010/2011 in Betrieb gehen soll.
Auch bei seinem Gespräch mit Belkhadem und dem fast vierstündigen Treffen mit Staatschef Abdelaziz Bouteflika war die Energieversorgung ein Schwerpunkt. Algerien ist die zweitgrößte Volkswirtschaft Afrikas und sucht derzeit nach Wegen, seine starke Abhängigkeit vom Öl- und Gasgeschäft zu verringern. Auch die deutsche Seite sei dabei um Hilfe gebeten worden, hieß es aus Delegationskreisen. Die deutschen Firmen erhoffen sich Aufträge im Rahmen geplanter Infrastrukturprogramme, die ein Volumen von etwa 80 Milliarden Dollar bis 2009 umfassen.
Bei seinem politischen Gesprächen würdigte Steinmeier ausdrücklich die Aufarbeitung des blutigen Bürgerkriegs Anfang der 90er Jahre, der das Land auch mit islamistischen Terroranschlägen überzog. Diese sei für die Bevölkerung Algeriens eine "traumatische Phase". Deutschland habe in der Zeit als eines der wenigen Länder in Europa Verständnis für die Lage Algeriens gezeigt, wurde dem Minister dem Vernehmen nach versichert. Die Bundesrepublik genießt wegen ihrer Unterstützung der algerischen Freiheitsbewegung im Unabhängigkeitskrieg mit Frankreich Ende der 50er Jahre ohnedies hohes Ansehen.
Steinmeier war von Libyen aus kommend am Mittwoch in Algerien eingetroffen und wollte seine fünftägige Maghreb-Reise am Nachmittag mit Gesprächen in Tunesien fortsetzen. Weitere Stationen sind bis Samstag Marokko und Mauretanien. In allen Ländern geht es auch um das Thema Migration - die Maghreb-Staaten sind Drehscheibe für die illegale Einwanderung aus Afrika nach Europa.
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