Deutsche Strombosse sorgen sich um das Ansehen ihrer Branche

dpa
Bild: Stromleitungen


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Essen (dpa) - Deutschlands große Energiekonzerne sorgen sich um ihr Ansehen bei Politik und Bürgern. Die heftige Kritik an den beschlossenen Strompreiserhöhungen und der wachsende Widerstand gegen den Bau neuer Kraftwerke lassen bei den Konzernchefs die Alarmglocken schrillen. Tiefes Misstrauen schlage den Stromriesen momentan überall entgegen. "Uns wird nicht mehr abgenommen, dass wir ehrbare Kaufleute sind", klagte der neue RWE-Vorstandsvorsitzende Jürgen Großmann jüngst im "Spiegel".

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Um ihr Image aufzupolieren, wollen sich die Strombosse künftig stärker in die öffentliche Debatte einschalten. E.ON-Chef Wulf Bernotat kündigte am Montagabend an, den Umbau des Konzernvorstands dafür zu nutzen, sich noch intensiver um wichtige Themen der Energiepolitik und "der gesellschaftlichen Akzeptanz unserer Branche in der Öffentlichkeit zu kümmern". Daran entscheide sich der Handlungsspielraum für E.ON. Im verkleinerten Konzernvorstand soll Johannes Teyssen als künftiger Vize für das Tagesgeschäft zuständig sein und Bernotat für die energiepolitische Debatte den Rücken freihalten.

Der E.ON-Chef, im zu Ende gehenden Jahr so etwas wie der Sprecher der Strombranche, sieht die deutsche Energiepolitik an einem Wendepunkt. "Nach dem beschlossenen Ausstieg aus der Kernenergie sind wir jetzt dabei, die Kohle ins klimapolitische Abseits zu reden", warnte Bernotat. Dass im saarländischen Ensdorf der Bau eine Kohlekraftwerks am Widerstand der Bevölkerung gescheitert sei, "verheiße nichts Gutes". Die Deutsche Umweltstiftung jubele bereits "Ensdorf ist überall". Auch der Bau eines E.ON-Kohlekraftwerks im westfälischen Datteln stößt auf Proteste.

"Wir drängend niemandem unsere Kraftwerke auf und können sie woanders bauen, wo sie willkommen sind", warnte der E.ON-Chef. In Antwerpen macht das Deutschlands größter Energiekonzern bereits. Im dortigen Hafen errichtet E.ON für 1,5 Milliarden Euro ein neues Kohlekraftwerk - und fühlt sich mit offenen Armen aufgenommen. In Deutschland habe E.ON dagegen an vielen Fronten mit Problemen zu kämpfen. Allein 500 Kilometer Stromleitungen könne der Konzern wegen fehlender Genehmigungen nicht bauen. Auch bei der Zukunftstechnik CO2-Abscheidung und -Einlagerung, die den Klimakiller bändigen soll, schwant Bernotat nichts Gutes. "Niemand will Kohlendioxid in seiner Nachbarschaft haben." Das sei ein "Riesenproblem".

Bernotat und Großmann suchen engeren Kontakt zur Politik. Er habe aus dem Bundeskanzleramt die Bitte mitgenommen, einen neuen Dialog über die energiepolitischen Herausforderungen der Zukunft zu initiieren", sagte Bernotat. "Das werde ich auch tun." Ob sich dieses Vorhaben mit dem Vorstoß Großmann für einen "Energiepakt" beißt, ist nicht klar. In einem sind sich die Strommanager aber einig. Zu groß dürfe die Gesprächsrunde nicht werden. Das habe der letzte Energiegipfel gezeigt. Dabei sei für die künftige Energieversorgung nicht viel herausgekommen, meinte Bernotat.



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