Deutsche Strombosse sorgen sich um das Ansehen ihrer Branche
Der E.ON-Chef, im zu Ende gehenden Jahr so etwas wie der Sprecher der Strombranche, sieht die deutsche Energiepolitik an einem Wendepunkt. "Nach dem beschlossenen Ausstieg aus der Kernenergie sind wir jetzt dabei, die Kohle ins klimapolitische Abseits zu reden", warnte Bernotat. Dass im saarländischen Ensdorf der Bau eine Kohlekraftwerks am Widerstand der Bevölkerung gescheitert sei, "verheiße nichts Gutes". Die Deutsche Umweltstiftung jubele bereits "Ensdorf ist überall". Auch der Bau eines E.ON-Kohlekraftwerks im westfälischen Datteln stößt auf Proteste.
"Wir drängend niemandem unsere Kraftwerke auf und können sie woanders bauen, wo sie willkommen sind", warnte der E.ON-Chef. In Antwerpen macht das Deutschlands größter Energiekonzern bereits. Im dortigen Hafen errichtet E.ON für 1,5 Milliarden Euro ein neues Kohlekraftwerk - und fühlt sich mit offenen Armen aufgenommen. In Deutschland habe E.ON dagegen an vielen Fronten mit Problemen zu kämpfen. Allein 500 Kilometer Stromleitungen könne der Konzern wegen fehlender Genehmigungen nicht bauen. Auch bei der Zukunftstechnik CO2-Abscheidung und -Einlagerung, die den Klimakiller bändigen soll, schwant Bernotat nichts Gutes. "Niemand will Kohlendioxid in seiner Nachbarschaft haben." Das sei ein "Riesenproblem".
Bernotat und Großmann suchen engeren Kontakt zur Politik. Er habe aus dem Bundeskanzleramt die Bitte mitgenommen, einen neuen Dialog über die energiepolitischen Herausforderungen der Zukunft zu initiieren", sagte Bernotat. "Das werde ich auch tun." Ob sich dieses Vorhaben mit dem Vorstoß Großmann für einen "Energiepakt" beißt, ist nicht klar. In einem sind sich die Strommanager aber einig. Zu groß dürfe die Gesprächsrunde nicht werden. Das habe der letzte Energiegipfel gezeigt. Dabei sei für die künftige Energieversorgung nicht viel herausgekommen, meinte Bernotat.
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