Demonstrant in Frankreich bei Castor-Transport getötet
Gut drei Stunden nach dem Unglück um 17.45 Uhr setzte der Zug mit den hoch radioaktiven Glaskokillen seine Fahrt fort. Um 20.32 Uhr überquerte er die deutsch-französische Grenze und fuhr in Richtung der etwa zwölf Kilometer entfernten südpfälzischen Stadt Wörth. Dort werden routinemässig die Lokomotiven ausgetauscht. Der Transport war am Samstagabend bei der Wiederaufbereitungsanlage La Hague gestartet. Mit der Ankunft der Atommüllbehälter im Zwischenlager Gorleben war ursprünglich am Dienstag gerechnet worden.
Nach Angaben des französischen Staatsanwalts Michel Senthille vom Sonntagabend hätte es beinahe mehrere Opfer gegeben. Insgesamt hätten sich acht Kernkraftgegner zur Blockade des Zugs eingefunden. Sie hätten nach einer Kurve eine Vorrichtung unter das Gleis geschoben, an der sich bis zu vier Personen anschliessen konnten. "Drei Aktivisten gelang es, sich zu befreien", sagte Senthille. Der 21- Jährige, der sich an das Gleis gebunden hatte, sei ein Bein abgefahren worden. Die Polizei hatte zuvor mitgeteilt, der Mann habe beide Beine verloren.
"Der 400 Meter lange und 2000 Tonnen schwere Zug rollte mit Tempo 100 und kam aus einer Kurve, als er den Demonstranten traf", sagte Senthille. Eine Motorradstreife, die dem Zug unmittelbar voraus gefahren sei, habe dem Lokführer noch ein Zeichen gegeben, doch der habe nicht mehr rechtzeitig bremsen können. "Ein mit der Überwachung der Strecke beauftragter Hubschrauber war zum Zeitpunkt des Unglücks zum Nachtanken." Eine erste Motorradstreife habe die Umweltschützer nicht bemerkt, weil sie sich offenbar in einem nahen Wäldchen versteckt hätten, sagte der Staatsanwalt. Der französische Kerntechnikkonzern Cogema bedauerte den "dramatischen Unfall".
Im niedersächsischen Hitzacker versammelten sich am Abend mehrere hundert Menschen zu einer spontanen Trauerkundgebung. Ausgestattet mit Kerzen und Laternen forderten sie die "Stilllegung aller Atomanlagen weltweit". Alle für Sonntagabend geplanten Demonstrationen im Wendland seien abgesagt worden, sagte Dieter Metk von der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg. Momentan werde diskutiert, wie es am Montag und Dienstag weitergehen solle. In der Südpfalz wurden am Abend vier Demonstranten in Gewahrsam genommen, teilte die Polizei in Wörth mit.
Der Zug war bereits bei Laneuveville-devant-Nancy zwei Stunden lang aufgehalten worden, weil sich dort zwei Demonstranten ebenfalls an die Gleise gekettet hatten. Die beiden Umweltschützer wurden in Nancy der Polizei übergeben.
Am Samstag hatten sich zum Auftakt der Proteste an einer Demonstration in Dannenberg nach Angaben der Atomkraftgegner 5.500 Menschen aus ganz Deutschland beteiligt. Die Polizei zählte etwa 4.500 Menschen. Auch am Sonntag kam es zu kleineren Protesten und vereinzelten Strassenblockaden im Wendland. Trotz eines Demonstrationsverbotes an der Transportstrecke kündigten die Atomkraftgegner Proteste auf Strassen und Schienen an.
Weitere Nachrichten vom 08.11.2004
- T-Mobile wird operatives Gewinnziel 2004 verfehlen
- Abzocke? Neue Telekom-Telefone umgehen Sparvorwahlen und Preselect
- EnBW verkauft österreichische Beteiligung
- T-Online und Telekom vereinbaren Verschmelzung
- Störung in Kernkraftwerk Philippsburg
- VDN: Täglich 5.000 Stromlieferungen im Höchstspannungsnetz
- Wurm tarnt sich als Video von Osama Bin Laden
- freenet hebt nach starkem dritten Quartal Prognose an
- Internettelefonie kostet Festnetzbetreiber Milliarden
- Eltern brauchen Handy-Rechnung der Kinder nicht zu zahlen
- Optionshandel beginnt an Leipziger Strombörse
- Staatsanwalt: Castor-Unglück hätte weitere Opfer fordern können
- T-Mobile will eine Milliarde Euro einsparen
- Verband: Windenergie-Branche verdoppelt Arbeitsplätze bis 2010
- Clement sprach mit Strom-Managern
- Bahnreisende sollen künftig auch in Tunneln telefonieren können
- Sony Ericsson erwartet Erfolg für UMTS erst ab 2008
- EnBW droht Minister mit Klage - Gespräche mit Atommanagern beendet
- Drei Defekte im Atomkraftwerk Biblis entdeckt

