Computer als Klimakiller? - Elektronik-Branche im Stromsparwettlauf

dpa | 14.03.2007
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Hannover (dpa) - Ob Autosalon, EU-Gipfel oder die Computermesse CeBIT - keine Wirtschaftsbranche und kein Großereignis können sich mehr dem Kampf gegen den Klimawandel entziehen. Pünktlich zur CeBIT in Hannover kündigte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel an, ein Öko- Label für Computer zu prüfen. Verbraucher- und Umweltschützer sagen dazu auch noch der Standby-Funktion den Kampf an, mit der diverse Geräte Schätzungen zufolge allein in Deutschland im Leerlauf noch 17 Milliarden Kilowattstunden Strom verschleudern.

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"Computer, Drucker, Netzgeräte, Router und Telefone verbrauchen etwa sechs Prozent des Stroms in Deutschland, Tendenz stark steigend", sagte Gabriel "Welt Online". "Hier lässt sich viel Energie sparen." Die Idee sind EU-weite Standards, die sich an den sparsamen Geräten auf dem Markt orientieren. Der Minister will sie bis spätestens 2008 für einzelne Produktgruppen ausarbeiten lassen.

Das Problem sind allerdings nicht nur die Geräte selbst, sondern auch das veränderte Verhalten ihrer Nutzer. Man ist heute eben viel mehr und länger online und lässt den Rechner häufig auch einfach laufen, wenn man ihn nicht nutzt. Die Deutsche Energie-Agentur dena rechnete aus, dass dies bei einem Ruhezustand-Verbrauch von 20 Watt ("soviel wie sieben Energiesparlampen") etwa 24 Euro im Jahr kostet. Ein DSL-Router, der meist nie abgeschaltet wird, kommt demnach auf zwölf Watt und knapp 15 Euro pro Jahr. Die Lösung sei ein effizienteres "Power Management" - Maßnahmen, bei denen nicht genutzte Komponenten automatisch abgeschaltet werden.

Die sind auch bitter nötig, denn weniger werden wir den Computer bestimmt nicht nutzen. Ganz im Gegenteil, allein schon die Vision vom vernetzten Haus, die immer mehr Wirklichkeit wird, sieht sogar eher vor, dass einzelne Geräte ständig miteinander in Kontakt bleiben. Und der Trend immer und überall online zu sein, der von der Industrie gerade in diesem Jahr propagiert wird, hat auch seine Kehrseite beim Energieverbrauch.

Die Grundrechnung ist einfach und universell: Mehr Leistung bezahlt man mit mehr Energieverbrauch. In den vergangenen Jahren erinnerte der Wettstreit in der Computer-Branche an das PS-Wettrüsten der Autoindustrie. Doch während die Autobauer erst mit den drastisch gestiegenen Spritpreisen ihr Umweltbewusstsein entdeckten, fing das Umdenken in der IT-Welt schon früher an.

Beim Auto war es bisher kein maßgebliches Verkaufsargument, wie weit man mit einer Tankfüllung kommt. Wenn es aber um mobile elektronische Geräte geht, wie zum Beispiel Notebooks, die immerhin rund zwei Drittel der im vergangenen Jahr verkauften Computer ausmachen, ist die Batterielaufzeit schon lange ein Thema. Als die Prozessoren immer schneller wurden und dadurch auch immer heißer liefen und immer aufwendiger gekühlt werden mussten, kam die Kehrtwende zu sparsameren Chips, unter anderem durch den Einsatz mehrerer Rechenkerne. Inzwischen ist auch im Konkurrenzkampf zwischen den Prozessor-Riesen Intel und AMD die Berechnung der "Leistung pro Watt" eine feste Größe.

Die Hochleistungs-Stromfresser sind damit allerdings nicht aus den Regalen verschwunden. Vor allem Rechner mit hochgerüsteten Grafik- Karten für Computerspiele kommen locker auf mehrere hundert Watt. Die neueste High-End-Spielmaschine, die PlayStation 3 von Sony, die Tage vor ihrem Deutschland-Start ein Publikumsmagnet auf der CeBIT werden soll, schafft unter Volllast saftige 380 Watt - sechs Mal so viel wie das Vorgängermodell PS2.

Ein weiteres Teil des Stromproblems sich die so genannten "Data Center" - riesige Server-Farmen, die weltweit den explosionsartig wachsenden Datenverkehr bewältigen und per Definition jeden Tag rund um die Uhr laufen müssen. Einer Studie zufolge verbrauchten im Jahr 2005 die Server in den USA 23 Milliarden Kilowattstunden. Mit den unverzichtbaren Kühlanlagen und Begleitinfrastruktur sollen es sogar 45 Milliarden Kilowattstunden gewesen sein. Und im vergangenen Jahr ließ allein der Boom von Web-Videos die Datenmenge massiv steigen. Google, der Suchmaschinen-Marktführer, der die Größe seiner Rechenzentren geheim hält (Schätzungen 2005: 450 000 Server), baut seine neuen Anlagen Medienberichten zufolge am liebsten gleich in der Nähe von Strom-Kraftwerken auf.



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