China greift nach Uranquellen - Massiver Ausbau der Atomenergie

dpa
Bild: Stromleitungen



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Peking (dpa) - China plant einen massiven Ausbau der Atomkraft. Die Kernenergie soll den stark steigenden Energiebedarf decken und die bisherige Abhängigkeit von der Kohle zumindest etwas verringern. Vor seiner Abreise nach Australien billigten Ministerpräsident Wen Jiabao und der Staatsrat in Peking noch die ehrgeizigen Atompläne. Der Anteil der Kernkraft am gesamten Energieverbrauch soll demnach bis 2020 von derzeit zwei auf vier Prozent verdoppelt werden. Dieser Prozentsatz erscheint auf den ersten Blick zwar noch klein, doch müsste dafür jedes Jahr ein neues Atomkraftwerk gebaut werden.

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Die jetzige Kapazität von 9 Millionen Kilowatt soll nach dem Plan in 15 Jahren auf 40 Millionen Kilowatt mehr als vervierfacht werden. Heute besitzt China erst sechs Atomkraftwerke und eine für den bisherigen Bedarf weitgehend ausreichende Uranförderung. Deswegen muss das Abkommen über die Sicherheitsgarantien für künftige und noch auszuhandelnde Lieferungen von Uran aus Australien als weitsichtig gelten. Der Rohstoff wird schon heute auf dem Weltmarkt immer begehrter. Die Preise sind in die Höhe geschossen. Einige Experten sagen bereits eine mögliche weltweite Uranknappheit im nächsten Jahrzehnt voraus.

Die jährliche Förderung in den mehr als zwei Dutzend Urangruben in China wird nach unterschiedlichen Berichten mit 750 oder 1200 Tonnen angegeben. Nach Schätzungen soll China selbst 70 000 Tonnen erschließbare Uranvorkommen besitzen. Seinen militärischen Bedarf kann die Atommacht China mit dem eigenen Uran sicherlich decken, aber nicht die Nachfrage durch die wachsende Zahl der geplanten Atomkraftwerke. Die Regierung in Sydney rechnet damit, dass Chinas Importbedarf bis 2015 auf 20 000 Tonnen Uran jedes Jahr steigen wird. Mit größeren australischen Uran-Lieferungen wird auch erst um 2010 gerechnet, wenn mehr Atomkraftwerke in China ans Netz gehen.

Als bereits größter Kohleverbraucher der Welt ist China durch sein rasantes Wirtschaftswachstum von durchschnittlich neun Prozent auch zum zweitgrößten Ölverbraucher nach den USA aufgestiegen. Zwei Drittel der Energie stammen in China heute aber immer noch aus Kohle, die einen hohen Schwefelgehalt hat und meist ohne besondere Filterung verbrannt wird. Auf einem Drittel Chinas fällt bereits saurer Regen. Die Kosten der Umweltzerstörung durch den Aufstieg Chinas zur viertgrößten Wirtschaftsmacht der Welt werden heute schon jedes Jahr auf 8 bis 12 Prozent des Bruttoinlandsproduktes geschätzt - so viel wie Chinas Wirtschaft jährlich wächst. 250 000 Chinesen sterben jedes Jahr vorzeitig an Krankheiten, die durch Luftverschmutzung ausgelöst werden, schätzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Da die mangelnde Energieeffizienz zu den großen Problemen Chinas gehört, gibt der neue Fünf-Jahres-Plan bis 2010 eine bindende Verringerung des Energieverbrauchs gemessen am Bruttoinlandsprodukt um 20 Prozent vor. Doch wurde das Ziel schon im ausgelaufenen Plan 2000-2005 um ganze 27 Prozent übertroffen.



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