Chaos in Mazedonien nach Stromabschaltungen wegen Schulden
dpa | 18.08.2006
Skopje (dpa) - In Mazedonien haben großflächige Stromabschaltungen wegen unbezahlter Rechnungen zu teilweise chaotischen Verhältnissen geführt. Betroffen sind zahlreiche Ministerien, Gerichte, Universitäten und die Behörden der Hauptstadt Skopje, berichteten die empörten Schuldner am Freitag. In einigen Fällen sei es zu Handgreiflichkeiten gekommen, weil die Betroffenen den Mitarbeitern des Versorgungsunternehmens ESM den Zutritt zu den Stromverteilern verwehrten. "Das halbe Land ist ohne Strom", titelten die Zeitungen.
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Der börsennotierte österreichische Stromversorger EVN, der im letzten Frühjahr 90 Prozent der ESM für 225 Millionen Euro gekauft hatte, bestätigte die Abschaltungen. "Wenn wir den Stromklau nicht eindämmen und die Schulden nicht abbauen, kommt es spätestens im Winter zu dramatischen Engerie-Engpässen", begründete EVN-Sprecher Stefan Zach am Freitag die drastischen Maßnahmen in Mazedonien. Nach Berichten lokaler Medien handelt es sich um rund 40 Millionen Euro Schulden, von denen allein auf die Regierung elf Millionen entfallen.
Die EVN hofft auf Verständnis bei den Privathaushalten, die bisher nicht von den Abschaltungen betroffen sind. "Wir wollen alle unsere 700 000 Kunden gleich behandeln", begründete der EVN-Sprecher den spektakulären Schritt. Daher habe man auch vor den vielen Ministerien und dem Generalstab der Armee nicht Halt gemacht. Viele Schuldner hätten inzwischen einen großen Teil ihrer Rückstände beglichen.
Obwohl die Privathaushalte verschont blieben, machen die Stromsperren doch vielen Bürgern zu schaffen. Gerichte mussten Verhandlungen vertagen. In der Stadt Bitola (150 Kilometer südlich von Skopje) schloss der größte Bäcker seine Pforten, nachdem der Strom abgestellt worden war.
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