Brüssels Vorstoß gegen Konzerne und Russland soll Verbrauchern nutzen
Weil die betroffene Branche und Mitgliedstaaten wie Deutschland frühzeitig Protest anmeldeten, schlug die Kommission am Mittwoch auch eine Alternative zur gewünschten Zerschlagung der Konzerne vor: Es reiche, wenn die Unternehmen ihre Netze von unabhängigen Betreibern managen lassen. Dann müsse aber die staatliche Aufsicht verstärkt werden. Die Folge wäre eine "sehr große Regelungslast", warnte Kommissionspräsident José Manuel Barroso.
Ohnehin sieht der Kommissionsvorschlag mehr Befugnisse für die nationalen Aufsichtsbehörden vor. Außerdem soll eine neue EU-Agentur den freien Fluss von Energie über Grenzen hinweg überwachen. Bisher werde zwischen den EU-Ländern noch zu wenig mit Energie gehandelt, klagt Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes.
Kräftig gewachsen sind hingegen die Lieferungen aus Ländern außerhalb der EU: Die Abhängigkeit der Europäer von fremden Energiequellen dürfte in absehbarer Zeit auf fast zwei Drittel ihres Verbrauchs steigen. Um den Einfluss ausländischer Lieferanten auf Europas Energiemärkten zu begrenzen, sollen die geplanten EU-Regeln zur Entflechtung auch für fremde Konzerne gelten.
"Die Gazprom-Klausel ist ausdrücklich keine Gazprom-Klausel", sagt ein Brüsseler Fachmann. Alle Investoren aus Nicht-EU-Ländern müssten die Trennung von Produktion und Netzbetrieb einhalten, wenn sie Leitungen in der EU übernehmen wollten. Doch das passt genau auf den russischen Energieriesen: "Gazprom könnte nach diesen Regeln kein Netzwerk in Europa kontrollieren", heißt es in der Kommission. Russland wäre zu einem gesonderten Abkommen gezwungen.
Zuerst müssen aber die Mitgliedstaaten und das Europa-Parlament dem Kommissionsplan zustimmen. Obwohl Frankreich bisher jeden Angriff auf seinen Energiekonzern EDF abgewehrt hat, hofft Kommissar Piebalgs auf einen Beschluss im Herbst 2008: "Ich habe jedenfalls keine Angst davor, diese Verhandlungen unter französischem Vorsitz abzuschließen." Andernfalls rückt das Ende der Amtszeit von Kommission und Parlament im Sommer 2009 gefährlich nahe.
Als Lockmittel setzt Piebalgs das Versprechen sinkender Preise ein. Seine Kollegin Kroes rechnet vor, dass deutsche Kunden zuletzt 31 Prozent mehr für ihren Strom bezahlten als Verbraucher in Großbritannien, wo Produktion und Transport von Elektrizität bereits getrennt sind. Offen ließen die Kommissare am Mittwoch allerdings die Frage, wo bei sinkenden Preisen der Anreiz für ein anderes erklärtes EU-Ziel bleibt: das Energiesparen.
Weitere Nachrichten vom 19.09.2007
- Regierung setzt auf Länder-Ja zu Kostenvorgaben für Netzbetreiber
- Energiekonzerne und Regierung gegen Brüsseler Zerschlagungspläne
- Erneuter rechtlicher Zwischenerfolg der Deutschen Telekom
- Verbände: Mehr Zentralismus und Bürokratie sind falsches Signal für Wettbewerb
- Vier Konzerne bestimmen den deutschen Energiemarkt
- Spannung vor RWE-Sitzung: Vorgezogener Chefwechsel erwartet
- Energie in Deutschland - Verbrauch und Preise
- Energieversorger enviaM schließt Strompreiserhöhung zum 1. Januar 2008 aus
- Sanierungsarbeiten im Atomkraftwerk Biblis in der Endphase
- Brüssel verspricht sinkende Energiepreise
- EnBW bei neuer Strompreisrunde vorerst nicht dabei
- US-Ölpreis hält sich weiter nahe am Rekordhoch
- EU-Kommission fordert Entflechtung der Energienetze
- Telekom startet Verkauf von Apple-Handy iPhone am 9. November
- Verband: Ein guter Tag für den Wettbewerb im Energiemarkt
- Strom und Gas: Bundesregierung für unabhängigen Netzbetreiber
- Barroso verteidigt Pläne zur Entmachtung von Energiekonzernen
- EU-Kommission schlägt Aufspaltung der Strom- und Gaskonzerne vor
- Bund der Energieverbraucher für Abtrennung von Stromnetzen
- Paris erhält Goldene Aktie bei Suez-GDF
- Bundesverband Windenergie kritisiert Bundesumweltministerium
- E.ON und RWE wollen Preise zum Jahreswechsel erhöhen
- Zeitung: Gazprom will zusammen mit E.ON britisches Kraftwerk kaufen
- Knausern am Handy: Was Call-by-Call im Mobilfunk bringt
- Strom aus regenerativen Quellen bei den Stadtwerken Mosbach
- 1&1 DSL Sommeraktion endet am 30. September
- Vattenfall geht im Streit mit der EU auf Distanz zu E.ON und RWE
- US-Zinssenkung treibt Ölpreis auf Rekordhoch über 82 Dollar
- T-Mobile vor dem Marktstart von iPhone
- E.ON-Chef entschuldigt sich für Äußerungen zum Strompreis
- Sony plant Prepaid-Karte für Musik-Downloads aus dem Internet
- EU-Kommission legt Pläne für Zerschlagung der Energiekonzerne vor
- Zeitung: Strompreise steigen zum 1. Januar kräftig
- CO2-Abbau: Gabriel fordert stärkeres Engagement der Länder
- E.ON baut zwei Kraftwerke in der Türkei

