Britischer Atomexperte kritisiert Schweizer Entsorgungskonzept
dpa | 07.04.2006
Schaffhausen (dpa) - Der britische Nuklearexperte John Large bezweifelt, dass ein mögliches atomares Endlager in Benken (Schweiz) für die Gesamtdauer der Strahlung sicher ist. In seinem Gutachten hat er die mangelnde Nachhaltigkeit der Schweizer Pläne kritisiert. Bei der Vorstellung des Gutachtens in Schaffhausen vor 200 Interessierten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kritisierte er unter anderem die Behälter, in denen der radioaktive Abfall gelagert werden soll. Die Schweiz plant ein Modell aus Stahl, während schwedische Behälter eine zusätzliche Kupferschicht haben.
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Das Schweizer Modell sei damit weniger lange haltbar. Allerdings sei eine Haltbarkeit über eine Million Jahre sowieso unmöglich. Daher forderte der Experte mehr Nachhaltigkeit im Umgang mit dem Atommüll. Gegen das Lager am Rhein in Sichtweite der deutschen Grenze regt sich Widerspruch. Der Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg hat sich gegen das "gefährliche Endlager" ausgesprochen. Außerdem betreibe die Schweiz am Hochrhein vier ihrer fünf Atomkraftwerke. Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) hatte im Dezember verlangt, dass eine deutsche Expertengruppe eingesetzt wird. Die Schweiz hält das Lager im Zürcher Weinland wegen des Sedimentgesteins Opalinuston für geeignet.
Large gilt als internationaler Atomexperte, der auch an der Bergung des russischen Atom-U-Boots "Kursk" beteiligt war. Im Auftrag der Vereinigung "Klar!Schweiz" hat er ein Gutachten zum Entsorgungsnachweis der Nationalen Genossenschaft für Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) erarbeitet. Die Pläne der Nagra sehen vor, dass die in 600 Meter Tiefe gelagerten Behälter während 150 Jahren zurückgeholt werden können. Diese Zeitspanne sei zu kurz; es sei nicht klar, was auf Dauer mit dem Atommüll passiere.
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