Billiges Öl: Welche Auswirkungen hat der Preissturz?

Frankfurt/Main - Seit einiger Zeit kennt der Ölpreis nur noch eine Richtung: nach unten. Gestern fiel der Preis erstmals seit 12 Jahren unter 30 Dollar. Experten unterbieten sich gegenseitig mit immer radikaleren Verfallsprognosen. Deutsche Verbraucher und Unternehmen jubeln. Schließlich entlastet der Trend die Haushaltskassen und drückt die Kosten der Firmen - und wirkt deswegen hierzulande als Doping für die Konjunktur. Doch der Preisverfall kann gefährlich werden, und das nicht nur für die Ölproduzenten, die unter den Dumping-Preisen ächzen.

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Bild: Ölpumpe Bild: ©Stephen Coburn/fotolia.com / Text: dpa-AFX

Der Sturzflug am Ölmarkt nimmt mittlerweile dramatische Züge an. Er begann vor eineinhalb Jahren bei einem Preisniveau von 110 Dollar. Seither sind die Weltmarktpreise um 70 Prozent eingebrochen. Zwischenzeitlich hatte es immer wieder nach einer Stabilisierung ausgesehen, doch das waren Trugbilder. Der Preisverfall ging weiter und beschleunigte sich zuletzt. Allein in den wenigen Tagen seit Beginn des neuen Jahres sind die Ölpreise um 15 Prozent abgestürzt.

Zu viel Förderung drückt den Preis

Der Grund dafür ist einfach: Es gibt zu viel Öl auf der Welt. In den USA hat der Schieferölboom zu einem so starken Anstieg der Ölproduktion geführt, dass das Land seinen Ölbedarf quasi allein stillen kann und sogar über die Aufhebung des jahrzehntelangen Ölexportverbots nachdenkt. Im Gegenzug hat das Ölkartell Opec erheblich an Marktmacht eingebüßt. Reiche Länder wie Saudi-Arabien versuchen deshalb, die aufstrebenden US-Produzenten mit einem Preiskampf aus dem Markt zu drängen. Folge der Ölschwemme: Die Preise fallen immer weiter.

Deutschland profitiert

Für Deutschland ist der Ölpreis zumindest auf den ersten Blick eine gute Nachricht, denn die Bundesrepublik ist auf dem weltweiten Ölmarkt kein wichtiger Produzent, sondern Einkäufer. Heizölkunden und die Chemieindustrie, ein wichtiges Zugpferd der Exportwirtschaft, profitieren von dem Billigöl. Und vor allem die Autofahrer dürfen sich freuen, denn die fallenden Ölpreise schlagen auch auf die Spritpreise durch.

Benzin und Diesel seien derzeit so billig wie seit über sechs Jahren nicht mehr, heißt es vom Mineralwirtschaftsverband. Und tendenziell geht es weiter bergab. Laut dem Automobilclub ADAC kostet der Liter Diesel derzeit im bundesweiten Schnitt rund einen Euro, 2,3 Cent weniger als vor einer Woche. Auch Super E10 ist erneut billiger geworden und kostet nun rund 1,24 Euro je Liter. Nach Informationen des Bundeskartellamts lag der Diesel-Preis am Mittwoch an einigen Tankstellen sogar knapp unter 90 Cent. In der Folge haben die Deutschen mehr Geld für andere Ausgaben in der Tasche. Das stärkt die Konjunktur und sorgt auch in Zeiten einer schwächelnden Weltwirtschaft für Wachstum in Deutschland.

Arbeitsplätze werden abgebaut, neue Höchststände drohen

Doch es gibt eine Kehrseite der Medaille: Der Preisverfall drängt Unternehmen und Länder, die an dem Ölverkauf verdienen, zunehmend in die Enge. Ölgiganten wie das britische Unternehmen BP streichen Arbeitsplätze. Zudem nagen fallende Verkaufspreise an der Erlössituation der Unternehmen, weshalb Investitionen ausbleiben. Den Verbrauchsländern könnte ihr Jubelschrei deswegen noch im Halse stecken bleiben, wenn die Förderkapazitäten zurückgeschraubt werden und ein plötzlicher Ölmangel die Preise wieder stark steigen ließe.

Noch keine Trendwende absehbar

Davon ist jedoch im Moment nichts zu sehen. Im Gegenteil: Rohstoffexperten unterbieten sich gegenseitig mit ihren Prognosen und halten niedrige zweistellige Preise für möglich. Analysten der Bank Standard Chartered halten sogar einen Absturz auf 10 Dollar je Fass für möglich. So niedrig war der Ölpreis in diesem Jahrtausend noch nie.

Andere Fachleute gehen nicht so weit und rechnen damit, dass der Preiskampf der Saudis letztlich die US-Ölförderer zum Rückzug zwingen und deren Förderung dämpfen wird. Doch auch das ist nur eine Prognose. Bislang jedenfalls haben sich die "Fracker", wie die amerikanischen Produzenten auch genannt werden, erstaunlich zäh gezeigt.

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