Benzinpreise explodieren - Warnungen vor Folgen
In den USA zeichnet sich unterdessen ab, dass die Schäden durch "Katrina" dramatische Auswirkungen für die Wirtschaft haben könnten. US-Energieminister Samuel Bodman kündigte an, dass die strategische Ölreserve angezapft werden soll, um Ausfälle durch den Hurrikan auszugleichen. Wie viel Öl aus der 700 Millionen Barrel (je 159 Liter) umfassenden Reserve freigegeben wird, sagte Bodman nicht. Die Reserve wurde in den USA bisher erst ein Mal eingesetzt: im ersten Golfkrieg 1991.
Die US-Regierung setzte zudem die Vorschriften für sauberes Benzin aus, um die Folgen des Hurrikans auf dem Energiesektor zu mildern. Danach sollen beispielsweise für 14 Tage in allen Teilen der USA die Begrenzungen für den Schwefelgehalt gelockert werden. Mit diesem Schritt solle die drohende drastische Verknappung von Benzin verhindert werden. Experten warnten in den USA vor einer Benzinpreiskrise.
Der Hurrikan hatte die Rohölförderung des Landes zu 25 Prozent und die Raffinerienkapazitäten zu zehn Prozent lahm gelegt. Als Folge stiegen die bereits hohen Benzinpreise weiter an, und in den vom Sturm betroffenen Regionen - Louisiana, Mississippi, Alabama und Florida - wurde der Nachschub knapp. An vielen Tankstellen bildete sich Kilometer lange Schlangen, und zahlreiche Zapfsäulen waren leer.
Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) bezeichnete die Situation als sehr ernst. Clement forderte die USA auf, längerfristig für mehr Raffineriekapazitäten zu sorgen. Vom Preis von rund 70 Dollar pro Barrel US-Rohöl sind nach Einschätzung Clements etwa 18 Dollar "spekulativ". Der stellvertretende Partei- und Fraktionsvorsitzende der FDP, Rainer Brüderle, hat angesichts weiter steigender Benzin- und Heizölpreise gefordert, die strategische Erdölreserve Deutschlands zu halbieren. "Das könnte deutsche Verbraucher und Unternehmen kurzfristig um 3 bis 3,5 Milliarden Euro entlasten", sagte Brüderle der Tageszeitung "Die Welt" (Donnerstag).
Der hohe Ölpreis wird nach Auffassung der Konjunkturexperten des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) das Wirtschaftswachstum um 0,5 Prozentpunkte drücken. Steige der Preis weiter im Tempo der vergangenen Tage, sei durchaus denkbar, dass das deutsche Wachstum nicht einmal mehr die Marke von einem Prozent erreiche, sagte DIHK-Volkswirt Volker Treier dem "Tagesspiegel" (Donnerstagausgabe). Vor kurzem hatte bereits der Industrieverband BDI erklärt, angesichts des teuren Öls werde es für Deutschland immer schwieriger, die Marke von einem Prozent Wachstum zu erreichen.
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