Bedrohungen im Internet: Kriminelle Banden lösen die Hacker ab
Entsprechende Diebstahl-Attacken, mit denen sich die "Bad Boys" zu bereichern versuchen, machten inzwischen fast 90 Prozent der Angriffe aus, sagt Kaspersky. Eine Zunahme solcher Raubzüge bestätigt auch der Karlsruher Virenexperte Christoph Fischer. Im Internet könne man Geld machen, ohne sich die Finger schmutzig zu machen. "Es gibt natürlich immer noch Spinner, die das aus reinem Spass machen." Möglicherweise sei der Anstieg mit 90 Prozent zu hoch angesetzt. "Aber die Tendenz stimmt."
Eine neue Form der Internet-Kriminalität seien zum Beispiel simple Schutzgelderpressungen, sagte Kaspersky. Die Drohung, einen Angriff auf den Firmen-Server zu starten, reiche häufig aus, um einen Unternehmer zur Zahlung zu bewegen. Zuletzt hatten auch so genannte Phishing-Attacken immer häufiger für Schlagzeilen gesorgt. Dabei werden ahnungslose Nutzer über E-Mails auf zum Teil professionell gefälschte Web-Sites etwa von Banken gelotst und aufgefordert, dort ihre persönlichen Daten wie PIN- oder Konto- Nummern zu bestätigen. Mit den abgefangenen Daten versuchen die Räuber dann, die entsprechenden Konten abzuräumen.
Angriffe wie die der Internet-Würmer Sasser, Netsky und MyDoom, bei denen weltweit Millionen von Rechnern infiziert wurden, wird es nach Einschätzung vieler Experten künftig vermutlich immer weniger geben. Denn gezielte, räuberische Attacken können bereits "erfolgreich" sein, wenn sie nur wenige tausend PCs ins Visier nehmen.
"Heute reicht es längst nicht mehr, nur über Viren zu sprechen", sagt Natalya Kaspersky, Geschäftsführerin des Anti-Viren- Spezialisten. Die "modernen" Angriffe nutzten mehr und mehr einen ganzen Cocktail aus verschiedenen Angriffsmethoden. Unerwünschte E- Mails (Spam) werden inzwischen mit Hilfe von Trojanern, Hintertür- Programmen und Würmern rund um den Globus verschickt. Und die Software wird immer intelligenter, kann sich selbst verändern und untereinander kommunizieren.
Eine grosse Gefahr geht nach Meinung der Experten derzeit von modernen Spionage-Werkzeugen wie etwa Anzeigen-Software, so genannter Ad ware, aus. "Der normale Nutzer kann oft gar nicht ermessen, was damit alles möglich ist", sagt Fischer. Dabei handelt es sich um Programme, die auch für werbefinanzierte, kostenlose Software genutzt werden. Der Kunde erklärt sich dabei bereit, dass bestimmte Daten von ihm zum Beispiel für die Platzierung kontextbezogener Werbung erhoben werden. Die dahinter stehenden Programme seien jedoch äusserst aggressiv, sagt Fischer. Prinzipiell lassen sich damit die Bewegungen eines Nutzers im Internet nachverfolgen und Gewohnheiten analysieren, was Betrügereien aller Art ermöglichen könnte. "Da kann man ganze Horrorszenarien entwerfen."
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