Batterien für Elektroautos: Nachwuchsforscher gesucht
Ulm - E-Autos spielen für die Bundesregierung derzeit eine größere Rolle als bei den Verbrauchern. Trotzdem sollen die Technologie gefördert und E-Autos bald den deutschen Markt erobern. Doch es gibt ein Problem: Es mangelt an Nachwuchs beim Thema Batterie-Forschung.
Für das derzeitige Trendthema der Automobilindustrie, die Batterie für Elektrofahrzeuge, fehlt nach Ansicht des Elektrochemikers Timo Jacob der geeignete Nachwuchs. "Wir haben eine Lücke", sagte der Leiter des Instituts für Elektrochemie an der Universität Ulm der Nachrichtenagentur dapd. "Der hiesige Lehrstuhl ist einer der wenigen in Deutschland, die auf dem Gebiet der Elektrochemie noch weitergeführt werden", sagte er. Dementsprechend gebe es wenig Nachwuchs.
Deutschland war einst führend
Als einen Grund dafür nennt Jacob die Einstellung vieler Bemühungen in den 80er Jahren. "Früher war Deutschland eines der führenden Forschungsländer in der Elektrochemie", sagte er. "Danach kam die Auffassung, dass vieles schon bekannt ist und die wichtigsten Entdeckungen schon gemacht wurden."
Doch der Fortschritt habe neue Methoden ermöglicht: "In der Oberflächenchemie wurden Experimente entwickelt, mit denen man sehr genau Prozesse auf atomarer Ebene beobachten kann." Die Methoden seien erst kürzlich auf die Elektrochemie übertragen worden und ergäben somit neue Perspektiven.
Der Blick auf die atomare Ebene kann entscheidend sein. Auf der Elektrode könne sich beispielsweise ein kleiner Keim bilden, nur zwei oder drei Atome groß, erläuterte Jacob. Wenn er anfange zu wachsen, kann er zu einem Kurzschluss führen. Das kann eine Ursache dafür sein, wenn eine Batterie explodiert.
Elektrochemie kann zur Sicherheit beitragen
Die Sicherheit von Batterien gilt immer noch als Problem. In China war im Frühjahr ein Elektroauto des Daimler-Partners BYD in Flammen aufgegangen. Beim Volt von General Motors, der nahezu baugleich mit dem Opel Ampera ist, hatten Batterien nach Unfallversuchen angefangen zu brennen. Offenbar war Kühlflüssigkeit ausgelaufen und hatte zu einem Kurzschluss geführt. Laut Jacob ist es unter anderem Aufgabe der Elektrochemie, mit Materialien zu experimentieren, die das verhindern können.
Im Prinzip würden die Fehler wiederholt, die schon bei der Brennstoffzelle gemacht wurden, bei der elektrisch aus Wasser Wasserstoff gewonnen werden soll, der dann verbrannt und zum Antrieb eines Elektroautos genutzt werden kann. "Den Hype, den wir erleben, gab es vor 20 bis 25 Jahren schon einmal bei der Brennstoffzelle", sagte Jacob.
Aber mit den detaillierten Eigenschaften der Materialien habe man sich damals kaum beschäftigt. "Hätte man die Grundlagenforschung früher mit einbezogen, hätte man schon weiter sein können", sagte Jacob. Allerdings räumte er ein: "Wenn es darum geht, dass damit innerhalb eines Jahres Geld verdient wird, dann können wir nicht helfen." Jacob fügte hinzu: "So eine Batterie zu verstehen, kann schon eine Lebensaufgabe sein."
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