Banktitel eingebrochen: Italien hat Angst vor einer neuen Krise

dpa | 29.01.2016
Bild: Finanzkrise ©ferkelraggae/fotolia.com

Rom - In Italien geht die Angst vor einer neuen Finanzkrise um. Seit Jahresbeginn haben die Aktienkurse italienischer Banken um bis zu 40 Prozent nachgegeben. Die Einigung auf eine Bad Bank verschafft den Instituten zwar eine Verschnaufpause - aber die strukturellen Probleme bleiben.


Erst nach einem mühseligen Verhandlungsmarathon konnte Italiens Finanzminister Pier Carlo Padoan kurz durchatmen. Nach fünf Stunden einigte er sich am vergangenen Dienstag mit EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager auf eine Bad Bank, die die italienischen Banken bei der Bewältigung ihrer faulen Kredite in Höhe von rund 200 Milliarden Euro unterstützen soll. Die Anleger aber zeigten sich von dem Plan wenig beeindruckt.

Die Kurse der Institute rutschten am Tag darauf an den Börsen fast ausnahmslos weiter ab. Die Reaktion zeigt auch: Mit der Einigung sind längst nicht alle Probleme des Bankensektors in Italien gelöst - das stärkt die schwächelnde Wirtschaft kaum und wird auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) interessieren, die am (heutigen) Freitag ihren italienischen Kollegen Matteo Renzi empfängt.

Anleger befürchten aufkeimende Krise

Die Angst vor einer erneuten Krise war in Italien in den vergangenen Wochen wieder aufgeflammt, viele fühlten sich an den Beginn der Finanzkrise 2008 erinnert. Seit Jahresbeginn verloren zahlreiche Geldhäuser, etwa die Krisenbank Monte dei Paschi di Siena, an den Börsen mehr als 40 Prozent. Zeitweise wurden die Aktien vom Handel ausgesetzt, selbst ein Verbot von Leerverkäufen half nicht. Die Regierung berief Krisensitzungen ein, es folgten Beschwichtigungen.

"Es gibt keine besondere Besorgnis mit Blick auf die Banken", sagte Padoan, während Regierungschef Renzi im Interview mit dem Finanzblatt "Il Sole 24 Ore" ankündigte: "In Italien zu investieren, ist eine der besten Entscheidungen: Ein stabiles Land, ein solides System, keine geopolitischen Spannungen. Die Investoren wissen das." Der Generaldirektor der italienischen Zentralbank, Salvatore Rossi, bestätigt das: "Wenn man die Situation der italienischen Banken rational bewertet, gibt es keinen Grund, eine Krise in diesem Bereich zu fürchten", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Bad Bank löst nicht das "Systemproblem"

Die Einigung auf eine Bad Bank beurteilte Padoan als einen wichtigen Schritt - Experten zufolge verschafft sie den Instituten jedoch allenfalls eine Verschnaufpause. "Eine Bad Bank ist eine gute Lösung, wenn man danach befreit neu anfangen kann", sagte Bankenexperte Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim der dpa. "Dafür müssten aber strukturelle Reformen angegangen werden." Auch die Holding der italienischen Volksbanken ICBPI kommentierte, der Plan gebe den Banken "eine kleine Hilfe", löse aber nicht das "Systemproblem".

Grundlegende Reformen, aber auch Fusionen in dem Sektor scheinen unvermeidlich. Denn die Schwierigkeiten der italienischen Geldhäuser sind nicht neu. Bereits 2014 schnitten sie beim Bankenstresstest schlecht ab. Vor allem die älteste Bank der Welt, die 1472 gegründete Monte dei Paschi di Siena, kämpft schon seit Jahren ums Überleben. Zudem rettete Renzi Ende letzten Jahres mit einem umstrittenen Dekret vier Kleinbanken, die vor dem Aus standen. Zahlreiche Anleger verloren ihr Erspartes, der Aufschrei in Italien war groß.

Geringes Wachstum und hohe Staatsverschuldung

"Man hat den Dreck zu lange unter den Teppich gekehrt und die Probleme nicht gelöst", kritisierte "Il Sole 24 Ore". Denn Italiens Banken bezahlen auch für die Probleme des Landes in den vergangenen Jahren: Bis vor kurzem steckte die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone in einer schweren Rezession, aus der sie sich nur langsam befreien konnte. Die Industrieproduktion brach ein, die Arbeitslosenquote verdoppelte sich, viele Unternehmen gingen Pleite - und konnten ihre Kredite nicht mehr bedienen.

Die Probleme der Banken schüren in Italien nun die Angst vor neuen negativen Auswirkungen auf die sich gerade erst erholende Wirtschaft. Das Wachstum lag 2015 bei gerade einmal 0,8 Prozent. Mit 134,6 Prozent der Wirtschaftsleistung hat Italien zudem die zweithöchste Staatsverschuldung in der EU. "Die relative Funktionsunfähigkeit des italienischen Bankensystems hat dem Land schon 2008 große Probleme bereitet", erklärt Burghof. "Grundsätzlich kann eine Krise des Bankensystems auch zu einer Wachstumsschwäche des Landes führen."



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