Bahn-Stromnetz vielleicht für Abtransport von Windstrom nutzbar
Berlin - Der Bund prüft zurzeit, ob das Stromnetz der Deutschen Bahn für den Windstrom-Transport von der Küste in den Süden genutzt und ausgebaut werden kann. Entsprechende Pläne würden ressortübergreifend untersucht. Das berichtete die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf das Bundesverkehrsministerium. So werde geprüft, ob die Strommasten an einigen bahneigenen Stromtrassen um bis zu 15 Meter erhöht werden könnten, um Platz für zusätzliche Gleichstromkabel mit einer Kapazität von bis zu 500 Kilovolt zu schaffen. Einem Bahn-Papier zufolge wäre der Ausbau der Bahn-Strommasten für bis zu 2,5 Milliarden Euro machbar.
Ein Sprecher von Minister Peter Ramsauer (CSU) sagte der dpa, dies könnte eine Möglichkeit sein, um das Durchleitungsproblem zu lösen. Das Ganze werde geprüft, konkrete Pläne gebe es aber bisher nicht.
Nach Angaben der Deutschen Energieagentur sind von rund 1000 Kilometer neuen Leitungen, die bis 2015 gebraucht werden, erst 90 Kilometer gebaut. Ein Problem ist, dass mit der Offshore-Windkraft an der Küste neue Produktionszentren entstehen, die Leitungen zum Abtransport aber weitgehend fehlen. Der Bau neuer Stromautobahnen wird zudem oft durch Bürgerinitiativen blockiert.
Der Stromleitungsbau entlang der Bahntrassen liege im Interesse des Gemeinwohls, heißt es in einem Schreiben des CSU-Abgeordneten Georg Nüsslein an Bahn-Chef Rüdiger Grube, das der Zeitung vorliegt. Das zusätzliche Energiegeschäft könne laut Nüsslein außerdem die unternehmerische Rolle der Deutschen Bahn AG im Infrastruktursektor "intelligent flankieren".
Allerdings gibt es dem Bericht zufolge bei der Bahn auf Fachebene auch Vorbehalte. So würden bei einer Erhöhung der Bahn-Masten neue Planfeststellungsverfahren nötig.
Die Regierung sieht in fehlenden Netzen ein Hauptproblem beim Ausbau der erneuerbaren Energien und setzt auch deshalb auf längere Atomlaufzeiten bis mindestens zum Jahr 2036. Im Rahmen einer Netzoffensive soll der Ausbau vorangetrieben werden. Eine Schätzung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft geht bis 2020 von notwendigen Investitionen in Höhe von 40 Milliarden Euro aus.
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