Aus für Handysparte von BenQ in Deutschland
BenQ-Chef K.Y. Lee erklärte in Taipeh, sein Konzern habe eine "übermäßige Summe an Kapital und Ressourcen" in die deutsche Handysparte gesteckt. Zusammen mit den deutschen Kollegen sei "eine Reihe von wichtigen Errungenschaften" erreicht worden. Doch trotz Fortschritten bei Kosten- und Ausgabensenkungen hätten wachsende Verluste die "schmerzhafte Entscheidung unvermeidbar" gemacht.
Die SPD forderte den taiwanischen Konzern auf, die deutsche Sparte nicht einfach fallen zulassen. "Eine Insolvenz muss nicht zwangsläufig das Aus für die komplette Produktion bedeuten", sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD im Bundestag, Rainer Wend, der Netzeitung. "Ich erwarte von BenQ, dass sie eine Perspektive für eine Fortführung der Handy-Fertigung schaffen." Der Konzern dürfe "sich nicht einfach davonstehlen". Denkbar sind für Wend neue Partner, um die Handy-Fertigung in Deutschland zu halten. "Erstes Ziel muss es sein, die Arbeitsplätze zu erhalten", forderte er. Presseberichten zufolge läuft eine Standortgarantie für Kamp-Lintfort und Bocholt Ende des Jahres aus. Für die 1400 Mitarbeiter in Entwicklung, Marketing und Verwaltung am Standort München gibt es demnach keinen besonderen Schutz vor Kündigungen.
In Taiwan erklärte BenQ, auch die Mobilfunk-Standorte in Brasilien "und woanders" würden ihre "finanzielle Lage überprüfen". BenQ Mobile hat nach eigenen Angaben weltweit rund 8000 Beschäftigte, neben Deutschland und Brasilien auch in China, Polen und im Mutterland Taiwan. Die Handysparte ist eines von drei Standbeinen des Konzerns, der auch Flachbildschirme und Laptops herstellt. Das Unternehmen, eine Abspaltung des Computerherstellers Acer, ist nach eigener Darstellung einer der weltweit größten Anbieter von Mobilfunkgeräten. Angestrebt war im vergangenen Jahr, die Nummer sechs unter den internationalen Handy-Herstellern zu werden.
Der Verkauf der Handysparte des Mobilfunkpioniers Siemens an das bis dahin weitgehend unbekannte taiwanische Unternehmen hatte im vergangenen Jahr für Aufregung gesorgt. Siemens schrieb vor dem Verkauf Verluste von 1,5 Millionen Euro pro Tag mit seiner Handy-Sparte. Der Konzern hatte nach Branchenmeinung wichtige Neuerungen verpasst.
Betroffen von der Entscheidung BenQs ist auch der Geschäftspartner in Deutschland, der Speicherchiphersteller Infineon. Der Kurs des Unternehmens verlor am Donnerstagmittag deutlich um 2,16 Prozent auf 9,50 Euro.
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