Atommüll-Transport fällt 2009 wegen nicht genehmigter Castoren aus
Die Transporte nach Gorleben werden nach 2008 erst 2010 wieder aufgenommen, weil es Verzögerungen sowohl wegen angeblicher verkehrsrechtlicher Mängel des neuen Castor-Behälters HAW 28 M als auch wegen Bauarbeiten in der Anlage in La Hague gibt, wie das Bundesumweltministerium erklärte. 2010 und 2011 sind dann mit jeweils 11 Behältern der neuen Bauart die letzten Transporte aus La Hague vorgesehen.
Die Castoren enthalten nicht wiederverwertbare Überreste alter Brennelemente aus deutschen Atomkraftwerken. Zuletzt waren Behälter im Jahr 2006 nach Gorleben gerollt. Der Grünen-Fraktionsvorsitzende im niedersächsischen Landtag, Stefan Wenzel, forderte am Dienstag in Hannover den Stopp aller Transporte ins Zwischenlager.
Der Sprecher des Bundesamtes für Strahlenschutz in Salzgitter erklärte, der Antragsteller - die Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) als Castor-Hersteller - habe "Unterlagen nicht rechtzeitig beigebracht", die die Bundesanstalt zur Materialprüfung (BAM) benötige. "Wenn die Voraussetzungen nicht vorliegen, kann der Transport nicht stattfinden." Wie die Zeitung berichtete, habe eine deutsch-französische Regierungskommission wegen weiterer Verzögerungen bei der Genehmigung des neuen Castor-Typs empfohlen, den 2009 geplanten Atommüll-Transport auszusetzen.
Der neue Castor-Behälter wird derzeit in der Bundesanstalt für Materialforschung auf seine Zuverlässigkeit überprüft. Diese Prüfung werde frühestens im September beendet sein. Gleichwohl könnten nicht bereits im kommenden Jahr Behälter transportiert werden, weil dann in La Hague Bauarbeiten anstünden. Die Castoren neuen Typs sollen einer höheren Wärmeentwicklung standhalten.
Nach Darstellung der Zeitung gab es im Zulassungsverfahren für den deutschen Castor erhebliche Unstimmigkeiten. In einem Schreiben an die GNS aus dem vergangenen Dezember beklage die Bundesanstalt für Materialprüfung "Defizite des Antragstellers bei grundlegenden Fragestellungen". Diese Defizite seien, "eine der wesentlichen Ursachen für die zeitlichen Verzögerungen" gewesen, hieß es. Auch seien Modelle so verändert worden, dass sie bestimmte Ergebnisse brächten. Atomkraftgegner warfen der GNS Unzuverlässigkeit vor und forderten, die Gesellschaft solle ihre Zulassung verlieren.
Die GNS betonte ihrerseits jedoch in der "Süddeutschen Zeitung", dass sich allein die Berechnungen verzögerten. Es existierten keinerlei Hinweise, dass es grundsätzliche Bedenken an der Sicherheit des Behälters gebe. Die Sicherheit des Castors wird unter anderem anhand komplizierter Berechnungen überprüft. Sie sollen das Verhalten des Materials bei Unfällen simulieren. Unter anderem werden Fall- und Feuertests gemacht.
Im Zwischenlager Gorleben stehen nach Angaben des Umweltministeriums in Hannover bereits 80 Atommüll-Behälter, 33 müssen insgesamt noch aus Frankreich nach Gorleben gebracht werden. 2007 war der jährliche Castor-Transport bereits ausgefallen, weil laut Ministerium die notwendigen Behälter neuerer Bauart nicht einsatzbereit waren.
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