Atomkraft bleibt: Deutsche Versorger setzen auf Erzeugung im Ausland

dpa
Bild: Stromleitungen


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Dortmund (dpa) - Die Atomgegner unter den Aktionären der großen deutschen Energieversorger werden bei Hauptversammlungen wohl noch lange gegen die Kernkraft wettern können. Denn selbst wenn der vereinbarte Atomausstieg in Deutschland umgesetzt werden sollte, sprechen hiesige Stromriesen wie E.ON von "nuklearer Renaissance". Der Grund: Deutschlands größter Energiekonzern und Atomstromproduzent E.ON hat sich längst neue Kernkraftwerks-Kapazitäten im Ausland gesichert.

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Vor allem in Skandinavien ist E.ON aktiv. In Schweden betreibt das Unternehmen mehrheitlich die Reaktoren des Kernkraftwerks Oskarshamn. An den beiden anderen Kraftwerksstandorten des Landes, Forsmark und Ringhals, ist E.ON Minderheitsgesellschafter. Auch in Finnland will E.ON Atomstrom produzieren. Als Konsortialpartner verfolgt E.ON ein Projekt, bei dem ab 2016 ein neuer Atomreaktor gebaut werden soll.

Interessiert sei man auch am Bau neuer Kernkraftwerke in Großbritannien und Osteuropa, sagte E.ON-Chef Wulf Bernotat im Mai vor Analysten. Mit geeigneten Partnern sei man auch an Projekten in Frankreich interessiert, erweiterte Bernotat dann jüngst den Kreis der in den Blick gefassten Länder. Ein Auge geworfen haben die Düsseldorfer auch auf Italien: E.ON Italia-Chef Klaus Schäfer sagte in der Tageszeitung "Corriere della Sera", dass E.ON bereit sei, als erfahrener Kernkraftwerksbetreiber die Entwicklung der Kernkraft in Italien zu unterstützen. Italiens neue Regierung hatte im Mai angekündigt, dass Land wolle die Atomkraft wieder zivil nutzen.

Es reiche nicht, den bestehenden Kraftwerkspark länger laufen zu lassen, sagte der E.ON-Vorstandsvorsitzende, ohne sich dabei auf ein bestimmtes Land zu beziehen. Neue Kernkraftwerke würden benötigt. "Viele Länder in Osteuropa sehen Kernkraft als eine Schlüsselkomponente eines ausgewogenen Erzeugungsmix", so Bernotat. Auch in Großbritannien unterstütze die Regierung den Neubau von Atomkraftwerken, um Atomkapazitäten zu ersetzen, die bis 2020 den Betrieb einstellen.

Auch Partner für den Bau hat Bernotat schon an der Hand. Ende April unterzeichneten E.ON und die Kraftwerksbauer Areva und Siemens eine Absichtserklärung, beim Bau von Kernkraftwerken in Großbritannien zusammenzuarbeiten. Sogar der Reaktortyp, ein 1600 Megawatt-Druckwasserreaktor von Areva, wurde dabei schon genannt.

Auch der Versorger RWE, der außer fünf Reaktoren in Deutschland noch keine Kernkraftwerke im Ausland betreibt oder an ihnen beteiligt ist, hält die Augen offen. In Rumänien will sich RWE an einem Projekt zum Bau von zwei Reaktoren beteiligen. Sie sollen 2014/15 fertig sein. Ende Juni gab der Konzern außerdem ein verbindliches Angebot für eine 49-Prozent-Beteiligung an einem in Bulgarien geplanten Atomkraftwerk ab. Das Kraftwerk soll ebenfalls 2015 ans Netz gehen. Bemüht hatte sich RWE laut Medienberichten auch um den britischen Stromversorger British Energy, der auf der Insel acht Atomkraftwerke betreibt. Bislang kam RWE jedoch nicht zum Zuge.

Kernkraft spielt auch für die großen Energieunternehmen Vattenfall Europe und Energie Baden-Württemberg (EnBW) eine bedeutende Rolle. EnBW betreibt in Deutschland vier Kraftwerksblöcke. Atompläne im Ausland hat EnBW aber nicht: "Es gibt keine konkreten Pläne oder Überlegungen für einen Bau oder eine Beteiligung an Projekten im Ausland", sagt ein EnBW-Sprecher. Das Unternehmen ist zu 45 Prozent im Besitz des französischen Staatskonzerns EDF, des weltgrößten Anbieters von Atomstrom. EDF betreibt in Frankreich 58 Atomreaktoren.

Auch der schwedische Konzern Vattenfall setzt weiter auf Kernkraft. In Schweden sollen die Erzeugungskapazitäten in Forsmark und Ringhals erhöht werden. In London eröffnete das Unternehmen ein Büro, um die Entwicklung auf dem britischen Markt zu verfolgen. "Kernenergie leistet durch CO2-Vermeidung einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und ist eine vergleichsweise kostengünstige Stromproduktion", sagte der Chef des Energiekonzerns, Lars G. Josefsson, Anfang Juli. In Deutschland betreibt Vattenfall die Atomkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel und ist an Brokdorf beteiligt.

Auch weltweit zeichnet sich derzeit alles andere als ein Atomausstieg ab. Nach Angaben der Atomwirtschaft waren im Juni in 31 Ländern 439 Kernkraftwerke in Betrieb. 33 Kernkraftwerke waren im Bau. Rund 40 Neubauten befinden sich außerdem in der konkreten Projektierungs- und Planungsphase, teils sind die Aufträge schon vergeben. Weitere etwa 100 neue Kernkraftwerke sind im Gespräch.



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