Angst und Gier treiben Ölpreise auf neue Rekordhöhen

dpa | 04.04.2005
Bild: palniki gazowe


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Hamburg (dpa) - Der Benzinpreis in Deutschland strebt neuen Rekordhöhen entgeben, seitdem der Wind an den Ölmärkten wieder gedreht und aufgefrischt hat. Sah es noch zum Jahreswechsel so aus, als wenn die höchsten Preisgipfel überschritten seien, so melden die Öl-Börsen wieder Allzeithochs für die Sorten West Texas Intermediate, und Brent sowie für OPEC-Öl. Dabei spielen sowohl fundamentale Marktdaten wie auch spekulative Überlegungen eine Rolle. Angst vor echten Engpässen und die Gier auf schnelles Geld an den Terminbörsen treiben den Ölpreis nach oben.

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Gegenwärtig, da sind sich alle Experten einig, gibt es genug Öl, um die weltweite Nachfrage zu befriedigen. "Im Moment wird auf Vorrat Öl auf den Markt gebracht", sagt Klaus Matthies vom Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA). Ölhändler stocken ihre Lagerbestände in den USA und Europa auf. Denn im Herbst, wenn der weltweite Öl- Bedarf wegen der Heizperiode auf der Nordhalbkugel wieder ansteigt, könnte es erstmals knapp werden. Die Internationale Energie-Agentur (IEA) erwartet für das Gesamtjahr eine Steigerung der Nachfrage von 2,4 Prozent. Die Förderung der OPEC - und nur sie hat noch Kapazitätsreserven - kann aber nach Schätzungen nur noch um ein bis zwei Prozent steigen.

Damit könnte die Ölversorgung in einen Engpass laufen. "In Wirklichkeit weiss aber niemand, wie hoch die Förderreserven tatsächlich sind", meint Gabriele Radke von ExxonMobil. Auch wird weltweit in die Erforschung und Förderung neuer Ölvorkommen investiert. "Die Produktionsmöglichkeiten werden im Herbst grösser sein als heute", sagt Matthies. Die enorme Nachfragesteigerung des zweitgrössten Öl-Konsumenten China, dessen Verbrauch im vergangenen Jahr um fast 30 Millionen Tonnen oder 14 Prozent auf 309 Millionen Tonnen zunahm, wird sich in diesem Ausmass nicht wiederholen.

Zu der Sorge um Engpässe kommen die Wirkungen der Spekulation, die den Preis beeinflusst. "Die Spekulanten hatten bereits begonnen, auf einen sinkenden Ölpreis zu setzen", sagt Heino Elfert vom Hamburger Energie-Informationsdienst EID. "Da platzte die Äusserung von US- Präsident George W. Bush dazwischen, nach der ein Krieg in Iran nicht auszuschliessen sei. Das hat alles gewendet." Ohne diese Äusserung wäre der Ölpreis deutlich niedriger, glaubt Elfert. Auch Matthies hält das gegenwärtige Preisniveau für zu hoch und erwartet im Jahresdurchschnitt 46 Dollar für ein Barrel (159 Liter) Brent-Öl.

Wenn die Spekulation erst einmal auf einen steigenden Markt setzt, werden alle Informationen entsprechend "bullish" interpretiert, vom Brand in einer Raffinerie bis zu Analysten-Studien, die dann wiederum steigende Preise prognostizieren. So fand eine Studie von Goldman Sachs, in der von einem Ölpreis von 105 Dollar je Barrel die Rede war, ein ebenso dankbares Echo auf den Märkten wie eine IEA-Analyse zum schnellen Energiesparen. Beides trieb den Preis weiter hoch.



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