Altkanzler Schröder wird Chefaufseher bei Gaspipeline-Gesellschaft

dpa
Bild: palniki gazowe



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Moskau (dpa) - Das deutsch-russische Projekt einer Gaspipeline durch die Ostsee glich bislang einem Medienspektakel erster Klasse. Im vergangenen September besiegelten Noch-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) und der russische Präsident Wladimir Putin zehn Tage vor der Bundestagswahl das Milliardenprojekt. Doch bei der konstituierenden Sitzung der Betreibergesellschaft an diesem Donnerstag in Moskau ist es mit dem Trubel vorbei. Der für seinen schnellen Wechsel an die Spitze des Aufsichtsrats der Betreibergesellschaft gescholtene Schröder habe um eine "Arbeitsatmosphäre ohne Medienrummel" gebeten, war beim russischen Gasförderer Gasprom vor der ersten Sitzung zu hören.

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Selten herrschte bei einem Großprojekt zwischen Deutschland und Russland in der Vergangenheit soviel Geheimniskrämerei wie vor dem Start der Pipeline-Betreibergesellschaft. Der vom Kreml kontrollierte Gasprom-Konzern, mit einer Mehrheit von 51 Prozent am Milliardenprojekt beteiligt, sprach über Tage von einer "geschlossenen Veranstaltung". Nicht einmal den Ort der Zusammenkunft, die Konzernzentrale des Gasgiganten in Moskau, wollte man bestätigen.

Über die Gründe für die Leisetreterei im bilateralen Strategieprojekt kann nur spekuliert werden. Der mit einem Heer von Medienbetreuern ausgestattete Gasprom-Konzern ließ wissen, es fehle der neuen Gesellschaft noch an Personal und Räumlichkeiten.

Kein Mangel herrschte beim Ostseepipeline-Projekt bislang an Negativschlagzeilen. Das von den beteiligten deutschen Energieversorgern Ruhrgas (E.ON) und Wintershall (BASF) als "wichtiger Schritt zur direkten Anbindung an russische Gasquellen" gepriesene Vorhaben erlebte einen holprigen Start. Schröder musste wegen des Aufsichtsratspostens gleich Kritik einstecken, weil er das Projekt noch als Regierungschef vorangetrieben hatte.

Auch der zweite Deutsche in der Führungsetage der Pipelinegesellschaft geriet in die Schlagzeilen. Der designierte Geschäftsführer Matthias Warnig, bislang Chef der Dresdner Bank Russland, soll laut Zeitungsberichten Ende der 1980er Jahre für die DDR-Staatssicherheit Wirtschaftsspionage betrieben haben.

Nicht erst seit dem russisch-ukrainischen Gaskonflikt zum Jahresbeginn ist die zukünftige Energieversorgung Deutschlands zu einem sensiblen Thema geworden. Kritiker des Projekts befürchten, dass mit der neuen Gaspipeline die deutsche Abhängigkeit von russischen Lieferungen zunimmt und dass die Bemühungen für eine EU- weit einheitliche Energiepolitik unterlaufen werden. Auch die Entscheidung der Betreibergesellschaft, ihren Firmensitz im Schweizer Steuerparadies Zug anzumelden, sorgte in der deutschen Öffentlichkeit für Befremden.

Altkanzler Schröder hält sich seit Wochenbeginn in Russland auf, allerdings weitgehend abgeschirmt von den Medien. "Es ist bemerkenswert, dass sein Programm und selbst die Tatsache seiner Ankunft nicht publik gemacht wurden", wunderte sich die Moskauer Tageszeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Mittwoch. Das Blatt vermutete, Schröder wolle seiner Nachfolgerin Angela Merkel nicht in die Quere kommen, die Ende April zu Regierungskonsultationen in Russland erwartet wird.

Erst auf wiederholte Nachfrage teilte ein Gasprom-Sprecher am Mittwoch mit, dass nun doch eine Pressekonferenz zur konstituierenden Sitzung geplant sei. Auf die Frage, ob Geschäftsführer Warnig oder Aufsichtsratschef Schröder vor die Journalisten treten werden, kam nur die kryptische Antwort: "Lassen Sie sich überraschen."



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